Frühling im Zoo – Kinder sind so unschuldig

Ich maber keine  Sexualkunde. Nicht genug, dass der ganze Herbst davon geprägt war, dass das neunjährige Monsterchen uns technische Fragen ihn den Bauch gefragt hat, dass es so peinliche Sätze gab, wie „Habt ihr das damals, als ich entstanden bin auch gemacht“ begleitet von einem angewiderten Blick. Der Themenbereich hat natürlich auch den Wortschatz des Monsterchens erheblich erweitert, was mir mal wieder einen Besuch bei der Lehrerin einbrachte, da er mit Schimpfworten um sich warf.

Seit diesem Zeitpunkt kämpfen wir ständig darum, das beliebteste Mädchen aus der Klasse zur Freundin zu bekommen, um selbst in der Hierarchie nach oben zu klettern. Briefchen und Zettelchen finden sich zwischen angebissenen Pausenbroten in der Mappe und zerknüllten Gummibärchentüten in den Hostentaschen und es gleicht einem Vulkanausbruch, wenn das Monsterchen bemerkt, dass ich diese Zettel vor dem Waschen aus der Hose entferne. Sätze wie „Das ist privat! Das geht Dich nichts an!“ schockieren mich und Zeichen mir, dass die gefürchtete Pubertät wohl doch nicht mehr so weit weg ist.

Nun also ein Zoobesucherin in unserem Lieblingszoo. Wir waren schon länger nicht mehr dort und gespannt, was sich alles so verändert hatte. Der Sonntag zeigte sich wettertechnisch durchwachsen, die A4 war voll und der Tag schon etwas älter, keine guten Voraussetzungen für einen Zoobesuch. Angekommen im Parkhaus, nahm der beste Papa der Welt  einen riesigen Regenschirm zur Sicherheit, mit dem er Truppen des IS hätte verjagen können und wir stiefelten los. Da es sehr kalt war und wir nach der langen molligen Autowärme fröstelten, stoben wir zunächst ins Aquarium. Fische waren noch nie meine Leidenschaft, aber die schönen Becken waren schon schön anzusehen. Das Monster wie immer ein Hobbyfotograf nahm alles vor die Linse was er bekommen konnte – manche Kostbarkeiten bekam er sogar ganz gut hin, wie die kleinen Röhrenaale, die Seepferdchen oder den Kraken, aber im großen Rundbecken einen der Haie dazu bewegen, dass sie still halten, nun das gelang nicht wirklich.

Das Reptilienhaus nebenan, ist immer schon Favorit des Monsterchens. Lange Jahre wollte er Tierpfleger im Reptilienhaus werden, dann Fußballprofi, Tierarzt und Entwickler von Computerspielen – aber die Fasznation der Reptilien lies nie wirklich nach. Gebannt suchten wir in den Becken nach Srumpfbandnatter und Bartagame, entdeckten den Blauzungenskink und die Kragenechse und bewunderten den tollen Missisppi Aligator – einen Prachtkerl. Vor dem Becken der Landschildkröten sammelte sich eine Menschenmenge. Alles kicherte und die älteren Besucher schauten beschämt. Als wir näher kamen wussten wir warum – es war Frühling und die Tiere gingen ihrer evolutionären Bestimmung nach. Ob da nun Publikum dabei hilfreich war… „Cool, die poppen ja!“ Entfuhr es dem Monsterchen unschuldig. Sofort hefteten sich strafende Blicke der älteren Zoobesucher auf mich. Ich fühlte mich genötigt zu erklären, dass nicht ich, sondern der Sexualkundeunterricht dem Kind die Unschuld genommen hatte, aber der Wetbeste konnte mich gerade noch zurückhalten. OK raus aus dem tropischen Glashaus und hin zum Koala – der war friedlich, duftete nach Eukalyptus und vor allem war er allein.

Zebra, Nashorn, Okapi, selbst die Hyänen alles war im Frühlingsrausch. Da war es fast erholsam, dass das Löwenpärchen noch zu jung war und die Leopardin schon Junge geworfen hatte. Überall waren die Tiere mit sich selbst beschäftigt und überall kicherten die Menschen beschämt davor, mich eingeschlossen. Nur das Monsterchen diskutierte laut und unbekümmert über die verschienenen Penislängen, die Beweglichkeit der einzelnen Glieder und die Stellungen mit denen die Tiere sich fortpflanzten, was meine Entspannung in Anspannung bzw. Steifheit verwandelte. So merkte er zum Beispielm dass so ein Nashornmädchen ein ganz schön dickes Fell braucht, wenn ein so schwerer Bulle aufreitet.

Nach einer Pause bei den Menschenaffen (wobei Bonobos ja eigentlich immer Sexualkontakt haben) zogen wir weiter ins Tropenhaus. Hier war ja kein Frühling dachte ich, hier ist es ja immer gleichbleibend warm. Und richtig, Komodowaran, Tüpfelbeutelmarder und das Schuppentier waren ruhig und einsam. Gut die freifliegenden Vögel bauten ihre Nester – aber das traf mein Schamgefühl dann nicht so. Selbst die Otter zeigten keinerlei Anzeichen von Parrungswillen – so das sich mich langsam entspannte. Das Tropenhaus war riesig, beinahe 2 Stunden schlenderten wir durch die wunderschöne Anlage. Bis wir schließlich kurz vor dem Ausgang am Tapirgehege verweilten. Es war zu schön zu sehen, die die Tapirmutter das Junge aus dem letzten Jahr putzte und der Vater dahinter stand und fraß. Um uns herum viele kleinere Kinder, deren Ahs und Ohs eine wundervolle Geräuschkulisse bildeten – bis schließlich das Monsterchen die Idylle unterbrach. „Mama, was machen die Mutter da? Na die putzt ihr Kind. Das Kind ist aber schon groß und wo die putzt sollte keine Mutter putzen.“ Wieder diese angewiesenere Blick, den ich vom Herbst schon kannte. „Nun, Tiere müssen sich wohl überall putzen, die können ja nicht duschen gehen, entschied ich das Thema resolut zu beenden. Allein das brachte mir ein Schmunzeln der jungen Eltern um mich herum ein. Als dann das Monsterchen auf den riesigen Penis des Okapi-Mannes zeigte und fragte „Papa, warum kann der den denn so schwingen und peitschen?“ Verließen der Weltbeste und ich fluchtartig den Zoo – wir hatten genug gelitten und uns fest vorgenommen – im Frühling in den Zoo – Never!!!!!!!!

 

 

Ich brauch einen Finder im Garten!

„Ostern ist mein allerliebstes Familienfest!“ Jubelte das Monsterchen, in der Karwoche. Er erläuterte mit verklärtem Blick, dass es für ihn das Schönste überhaupt sei, am Ostermorgen zu suchen und alle, auch die noch so schwierigen Verstecke aufzustöbern. Mit leuchtenden Augen zeigte er mir die „Familienverstecke“ wo er todsicher jedes Jahr etwas finden würde. Hmmm, da sind Eltern dann schon etwas herausgefordert. Er wollte suchen, das könnte er haben…

Eier hatten wir nicht so viele gefärbt, gerade so viele, dass sie für den Eiersalat reichten. Also schichtete ich abends meine Osterschätze einmal auf dem Esstisch auf. Oh weh, das war nicht einfach zu verstecken, denn das Monster hatte sich ein Pokémon-Zimmer gewünscht, so dass der Hauptteil der Osterüberraschungen aus Postern und Wandtattoos bestand. Die langen Rollen fielen sicher im noch nicht so dichten Grün des Gartens auf… Aber eine Gemeinheit hatten wir noch, wir hatten kleine Pokémon Figuren, so 2 cm hoch. Die versenkten wir in Ü-Eier, bzw. deren Innenleben und hatten so eine Menge Zeugs zum Verstecken. Außerdem hatte die Tante auch noch ein Päckchen geschickt, das galt es ja auch noch geschickt zu verbergen. Papa zählte durch 22 Dinge… 22 Verstecke… und 22 mal „Ich habs!“

Der Ostermorgen war bitterkalt. Das Monsterchen regte sich bereits um halb sechs, aber wohlwissend hatten wir ausnahmsweise mal erlaubt, dass er sich morgens den Nintendo mit ans Bett holen durfte. Das verschaffte uns die Zeit zum Verstecken und mir sogar noch einen Kaffee zuvor. Im Garten war die Suche nach geeigneten Verstecken gar nicht so schwer. Einiges sollte leicht zu finden sein, also in die Familienverstecke. Einiges sollte nicht nass werden, wie die Poster, die machten sich im Gebälk unter dem Carport gut. Die gefärbten Eier und die Ü-Eier passten super in die Blumenbeete und fielen zwischen den Tulpen und Hyazinten wirklich nicht auf. Das ferngesteuerte Auto auf den Grill (einen Smoker kann man schließen) und das Päckchen der Tante in die Papiertonne – hier lag es mit den tausenden anderer Versandkartons traurig und harrte der Dinge, die da kommen mochten.

Das Monsterchen war dann natürlich schnell auf den Beinen. Extra Strümpfe und eine Extra-Jacke sollten garantieren, dass er keine Erfrierungen davon trug und los ging es in den Garten. Klar, die Familienverstecke waren schnell ausgeräumt. Einige der Ostereier hatte er tatsächlich auch in den Blumenbeeten entdeckt und die Posterrolle fiel vom Carportbalken herunter, so dass sie damit eben auch „gefunden“ war. Nach 20 Minuten war das Monsterchen den Garten gestreift, wie ein hungriger Tiger und 17 Dinge lagen auf unserem Gartentisch. „Es fehlen noch 5.“ rechnete der mathematisch begabte Vater aus. OK, das Paket in der Papiertonne und der Renner im Grill und tatsächlich sah ich noch ein grünes Osterei im Buchsbaum, aber die anderen 2???? Meine Füße wurden langsam steif, denn es hatte wahrscheinlich Minusgrade – ich war müde und frustriert, wo verdammt noch mal waren die anderen beiden Sachen… während das Monsterchen und der Papa das beliebte warm, warm, heiß, Feuer-Spiel spielten und so das Auto im Grill entdecken, streifte ich plötzlich durch den Garten, wie eine Tigerin, die nach ihren Jungen suchte. Ich kroch sogar in den Fliederstrauch, aber ich konnte die zwei fehlenden Verstecke nicht finden. Blöd, wenn man so vergesslich ist…

Nachdem das Monster mit einiger Hilfe auch das Päckchen aus der Papiertonne gefischt hatte schaute es uns erwartungsvoll an – „Ist da noch was?“ – ich warf dem Vatern einen vernichtenden Blick zu „Nein, das sind 20 Sachen, reicht das nicht?“ Lass uns rein gehen, ich erfriere sonst. Im Haus stürzte sich das Monster dann auf seine Geschenke und ich nahm Papa beiseite. „Ich weiß, es fehlen noch zwei! Ich kann aber beim besten Willen nicht sagen, wo die sind – lass uns die später suchen, wenns wärmer ist!“

Mit einem schlechten Gewissen und erfrorenen Zehen setzte ich mich schließelich zum Osterfrühstück. Wer weiß, welche Osterleiche wir im Sommer dann noch auffinden, macht das dann die Suche nach den Taschenmonstern nicht realistischer??? Mein Sohn wird mich hassen und mein Mann sich tödlichen, aber immer noch besser als noch länger bei der Eiseskälte im Garten rumzusuchen.

 

Was ist Krach? Mutterstolz in seltsamen Formen

Jede Mutter kennt das – Kinderbilder sind meistens buntes Rumgekrakel ohne künstlerischen Anspruch, aber wehe, das eigene Kind bringt so ein Kunstwerk nach Hause. Da wird gelobt, gerahmt und ein Ehrenplatz gesucht und natürlich werden die abstrakten Gebilde interpretiert, als gelte es einen Magister in Kunstgeschichte zu erwerben.

Ähnlich verhält es sich mit Musik – natürlich ist das Geigenspiel der kleinen Eva alles andere, als gehörfreundlich, wenn Eva gerade ein Jahr Unterricht genossen hat, aber wie anders klingt es doch im mütterlichen Ohr, wenn das Monsterchen mit Inbrunst auf sein Schlagzeug hämmert. Oh ja, es ist laut und Oh ja, es tut auch manchmal ein bisschen weh – aber es groovt und es lässt mich mit dem Fuß wippen, und beim Üben kann ich sogar im Bad noch tanzen, wenn ich mir die Haare föhne. Manche Menschen finden es seltsam, dass wir vor der Schule üben, also morgens um halb sieben, aber für uns passt das besser – vor allem auch für das Monsterchen, der am Nachmittag einfach wichtigere Dinge erledigen muss, wie Pokemons fangen.

Percussion in Concert, das ist jedes Jahr wieder ein aufregender und anstrengender Termin. Bisher war das Monsterchen immer in dem ersten Stück dabei. Dann schlug er für gewöhnlich den Schellenring oder trommelte den Rhytmus auf ein dumpf klingendes Playback – egal, ich war trotzdem stolz. In diesem Jahr jedoch faszinierten mich schon die Proben. Das Monsterchen lies mich im unklaren, was uns auf diesem Konzert erwarten würde. Es kam zunächst mal ein typisches Percussionist-Stück mit Marimba und das Monsterchen spielte Agogobells (ich hab keine Ahnung was das ist)… Das war nett und selbst mit der Marimba war es auszuhalten. Braver Applaus am Ende des Stückes.

Dann trat der Lehrer erneut ans Mikro und kündigt die Schlagzeughymne an. Die Bühne füllte sich mit Kindern: 7jährige, die Noteständer aufbauen und ihre Snare, 10 jährige, die im Instrumentenequipment auffahren, was man auffahren kann. Der Lehrer warnte uns, dass uns jetzt die Gehörgänge aufgewärmt würden. Ich setzte mich in Positur, die Kamera startbereit – schließlich musste ich als Mutter doch festhalten, wenn mein Kind auf der Bühne ist. Nach genau 4 Takten sank die Kamera nach unten in etwa so schnell, wie mein Unterkiefer. Etwa 30 Kids donnerten auf das große Percussionangebot, alle im Takt und was mich am meisten faszinierte, es klingt einfach mal verdammt genial. Ein Schlagzeuglied, wie ich es noch nie vorher gehört habe. Die Kinder grinsten um die Wette, der Song sprach ihnen aus der Seele – das spürte man. Der ganze Raum begann zu schwingen, es wippte und schaukelte auf allen Sitzen, dort, wo die Eltern, Geschwister und Großeltern gebannt und ein wenig schockiert lauschten, wie laut so ein Schlagzeug sein kann.

Im Refrain zeigten die Kids, was sie gelernt haben. Sie spielten 16tel und forte und piano, je nachdem, was der Lehrer dirigierte. Mein Herz hüpfte, denn das Ganze wirkte einfach mega cool. Am coolsten jedoch war das Strahlen der Kinder, als sie alle mit dem letzten Takt die Sticks in die Höhe rissen und mit dem Wort „Schlagzeug!“ eindeutig erklärten, wofür sie brennen – und wie sie schauten, als der Saal aufsprang und applaudierte, jubelte und Bravo rIWF – nicht, weil dieses Stück so virtuos dargeboten worden wäre, oder weil es ein besonderer Hörgenuss war, nein, weil sich das Publikum dInsemination Gefühl der Begeisterung einfach nicht entziehen konnte, weil man spürte, dass es da eine Generation gibt, die ohne Vorbehalte einer Leidenschaft nachgeht, wie man sie eigentlich schon lange nicht mehr erlebt hatte.

Natürlich war das Monsterchen der coolste von allen. Natürlich hat er sich nicht verspielt und hatte auch das schwerste Instrumenten-Programm, denn neben den Agogobells, kamen auch die Toms und die Tempelblocks zum Einsatz. Natürlich war er der EInzige, der mir aufgefallen war und natürlich bin ich unendlich und unsagbar stolz auf ihn – schließlich bin ich ja seine Mutter.

Es tut mir weh, die Kinder zu unterfordern

Eine Liebeserklärung an Monsterchens wundervolle Lehrerin

Das Monsterchen ist kein Kind von Traurigkeit – zudem ist er sehr intelligent und somit in der Schule jemand, der es sich durchaus leisten kann, mal über die Strenge zu schlagen ohne dass es langwierige Auswirkungen auf den Schulerfolg hat. Dafür darf Mama immer mal wieder antreten, wenn er es mal übertrieben hat. Diesmal hatte Mama auch auf ein Gespräch gedrängt, weil ich einige organisatorische Probleme ansprechen wollte.

Die Lehrerin vom Monsterchen ist toll. Die Kinder lieben sie. Sie ist seit 34 Jahren im Dienst, immer jugendlich fröhlich, aber auch bestimmt. Bei ihr benimmt sich das Monsterchen tadellos, aber sie hat ja auch den Klassenleiterbonus, sagt sie. Sie hat einen tollen festen Blick, nichts wirkt an ihr unsicher oder verschämt, wie so viele Lehrerinnen und Erzieherinnen, wenn Eltern um ein Gespräch bitten. Ich glaube, es hat für Lehrer immer was Gefährliches, wenn so etwas passiert. Meine Sorge um Monsterchens Unterforderung löst bei ihr ehrliche Erleichterung aus und auch Sie verortet das Problem an dieser Stelle. Wir kommen schnell zu dem Schluss, dass man Monsterchens Arbeitspensum erhöhen und seine Anforderungen anziehen muss, um ihn nicht zu frustrieren und ich hab sie schnell auf meiner Seite. Begeistert spricht sie davon, dem Monsterchen Freiräume zu schaffen, damit er eigenständig Dinge lernen kann, die ihn interessieren. Als sie vorschlägt, er könne ja sein Tablet mitbringen, schreite ich ein, denn so viele Pokemons und Minecraft-WEltern können wir gar nicht verwalten…

Als wir gemeinsam einen Weg haben, den wir gehen wollen, sagt sie, wie dankbar sie mir ist. Ich verstehe das nicht, aber sie erklärt mir, dass es schwierig ist, mit Eltern über ihre Kinder zu sprechen. Die meisten Eltern sind emotional hoch betroffen, wenn es ums eigene Kind geht. Und wenn dann von außen am Kind oder schlimmer noch an der Erziehung kritisiert wird, dann vergessen einige schon mal ihre Manieren. Ich lächle verlegen und sage, das würde doch jede Mutter für ihr Kind tun, aber sie schüttelt nur traurig den Kopf. „Das System ist es, was es uns Lehrern so schwierig macht,“ sagt sie. „Es tut mir in der Seele weh, zu sehen, wie wir unsere Kinder systematisch unterfordern.“ Die Anforderungen an unsere Schüler, die freudig und wissbegierig eingeschult werden sinken immer weiter. Die Kinder könnten viel mehr, aber wir sind daran gebunden, was der Lehrplan sagt, wir haben gar nicht wirklich Möglichkeiten auf die individuellen Lernstärken einzugehen.“

Mich machen diese Worte nachdenklich, dann hätte das Monsterchen wohl nicht so ein gutes Zeugnis gehabt. Aber sie hat auch recht. Es wird immer viel von persönlicher Entfaltung, Förderung etc. gesprochen auch auf politischer Ebene, aber wenn man als Grundschullehrer vor einer Klasse von fast 30 Schülern steht und spürt, dass die Kinder sich irgendwann auf ihrem Leistungsniveau einrichten, dann ist das extrem belastend. Auch die Lehrer (die meisten) möchten ja einen guten Job machen und brauchen, wie jeder andere auch Erfolgserlebnisse. Bei mir sind das erfolgreiche Projekte, bei ihnen sicher erfolgreiche Schulkarrieren und glückliche Kinder. Eigentlich ein Ziel, was allen nutzen würde, den Schulen, den Eltern, der Gesellschaft, der Wirtschaft und natürlich allen voran den Kindern – Schade nur, dass es gerade engagierten Lehrern so schwer gemacht wird.

Warum bildet man engagierte Pädagogen aus, lässt sie alternatove didaktische Methoden erlernen, bildet se weiter im Umgang mit Lernschwächen und Hochbegabung, wenn sie am Ende so wenig Luft haben zum agieren. Lasst Ihnen doch die Möglichkeit zu arbeiten. In der privaten Wirtschaft heisst das selbständig ein Projekt zum Ziel zu führen. Dort hat sich das hierarchisch geplante Denken ja seit langem verabschiedet, leider eben an unseren Schulen nicht.

Um so bezaubernder, wenn man auf Lehrer trifft, die dennoch ein Funkeln in den Augen haben, wenn sie über „ihre Kinder“ reden, wenn sie schmunzeln erklären, dass das Monsterchen eine Freundin hat, die ehrlich besorgt sind, über die aufkommende Arroganz bei ihm und die mir das Gefühl geben, ihren Job mit ebenso viel Herzblut zu machen, wie ich meinen.

Danke dafür!!!

Kleine Wehwehchen für ein neues Berufsbild – die Schulgesundheitsfachkraft

Brandenburgs Schulen bekommen Schulkrankenschwestern. Mit diesen Worten kündigten Presseberichte das Modellprojekt an, welches auch an unserer Grundschule stattfinden wird. Wir wurden auf der letzten Elternversammlung darüber unterrichtet, dass drei Schulen sich eine medizinische Fachkraft teilen werden und dafür jetzt geeignete Räumlichkeiten geschaffen werden müssen. Die Eltern reagierten leicht befremdlich, denn was bringt die Schulkrankenschwester, die nur an zwei Tagen der Woche für die Kinder erreichbar ist – hoffentlich verletzten sich die Schüler dann nur montags und mittwochs. Ich persönlich war noch zusätzlich skeptisch, denn die Schule hat für fast alles keinen Platz – die Kinder können nicht alle in den Essenraum zur Mittagspause, die Räumlichkeiten sind schlicht zu knapp bemessen und nun bekommt die Schulschwester einen eigenen Raum für zwei Tage in der Woche – ich hätte das anders entschieden, aber gut.

Kürzlich kam das Monsterchen mit einem Packen Papier aus der Schule „Einverständniserklärung“ prangte auf dem Deckblatt. „Das sollst du unterschreiben, wegen der Schulkrankenschwester“ – so sein Kommentar. Abends sah ich mir die mehrere Seiten starke Publikation genauer an und musste mich von Zeile zu Zeile mehr wundern. Da stand nicht nur was zu vollmundigen Zielen der Gesundheitsprävention und -erziehung, zur Betreuung von chronisch kranken Schülern, nein über mehrere Seiten wurden Dokumentationspflichten der Krankenschwester erörtert: die Durchführung von Seh- und Hörtests und die Meldung von Auffälligkeiten an die „zuständigen Behörden“. Hmmm – wie kann das sein in einem Land, in dem die Schüler nicht einmal die Zeugnisse untereinander zeigen dürfen? Die ureigenen Gesundheitsdaten sollen aber dokumentiert und gemeldet werden? Der Impfstatus solle überprüft werden und dann?? Werde ich dann vorgeladen, weil ich die umstrittene Grippeimpfung an meinem Kind nicht durchführen möchte? Was passiert mit den erhobenen Daten über die die Eltern zunächst ja nicht in Kenntnis gesetzt werden? Werden verhaltensauffällige Kinder (so stand es in dem Papier) gleich mal von vornherein zu „Problemfällen“ gemacht von einer Fachkraft, die an zwei Tagen in der Woche da ist und im besten Falle die Kinder nur sieht, wenn ihnen schlecht geworden ist?

Richtig wütend machte mich die Berichterstattung dazu. „Wir schaffen eine völlig neue familienfreundliche Berufsgruppe“ stand da – die Schwestern müssten eben nicht mehr im Schichtdienst arbeiten und hätten damit familienfreundliche Arbeitszeiten. Das gönn ich den Frauen aus tiefster Seele – aber dafür schaffe ich keinen Überwachungsapparat mit beinahe vollumfänglichen Dokumentationspflichten.Schade eigentlich, denn eigentlich könnte eine Schulschwester auch Ansprechpartner sein, bei Leistungsängsten oder Konflikten – aber wenn das alles dokumentiert und gemeldet werden muss, möchte ich als Mutter das dennoch nicht.

Vielleicht bin ich ja grundsätzlich ein Pessimist und viele der Mütter haben sich über meine Sorgen auch gewundert: „Ach, die kleben doch höchstens mal ein Pflaster oder rufen im Ernstfall den Notarzt.“ hörte ich da. Bin ich die einzige, die dabei sein möchte, wenn das Kind einen Hörtest macht? Mache ich mir alleine Sorgen, wenn an nicht näher definierter Stelle Daten meines chronisch kranken Kindes gesammelt und gespeichert werden? Ist es legitim die Gesundheitssorge der Kinder heimlich still und leise an den Eltern vorbei an eine offizielle Stelle zu verlagern? Oh mein Gott, alle schreien auf, wenn befürchtet wird, dass die NSA Handy-Daten abfängt und man befürchten muss, die letzten WhatsUp-Flirt kämen einem Dritten vor die Augen – aber wenn es darum geht die gesundheitliche und psychosoziale Entwicklung des eigenen Kindes zu melden an wen auch immer, machen sich die Eltern keine Sorgen?

Gesundes, ausgewogenes Schulessen, darüber wurde schon viel diskutiert – leider ist das für den aktuellen Preis von 1,55 € am Tag nicht zu erhalten. Der Träger der Schule will an den schon viele Jahre bestehenden Vertrag mit dem Caterer nicht heran, denn so günstig bekäme man nie wieder das Schulessen. Das ist sicher richtig, aber so müssen wir damit leben, dass das Monsterchen an drei Tagen in der Woche nicht am Schulessen teilnehmen kann, weil es eben Kohlrübensuppe, Grützwurst oder warmen Schokopudding zum Mittagessen gibt. Das wäre ein Handlungsfeld gewesen wo allen geholfen wird, und was der Gesundheit der Schüler direkt zu Gute gekommen wäre.

Meine Unterschrift bekamen sie nicht – das Monsterchen muss weiterhin das Pflaster von der Hortnerin kleben lassen oder sich im Ernstfall im Sekretariat hinsetzen und auf mein Eintreffen warten. Das ist für ihn vielleicht unbequem, aber ich kann sicher sein, alle Informationen über die Gesundheit meines Kindes, die erhoben werden, auch zu kennen.

Ich muss gestehen, das ganze Projekt ist gut vorbereitet – denn die Zielgruppe der Eltern denen die Gesundheitsfürsorge relativ gleich ist, erreicht die Schulkrankenschwester ganz sicher. Die lesen sich das dicke Papier nicht durch, wenn sie nur auf der ersten Seite ihre Zustimmung bekräftigen können – ist ja schließlich nur ne Schulkrankenschwester.

Kindergeburtstag – Jungen sind anders…

Ach wo sind sie hin, die Kindergeburtstagsfeinern, als die Gäste und der Gastgeber mit leuchtenden Augen der Schatzsuche entgegen fieberten, den misslungenen Geburtstagskuchen in sich hineinstopften, beim Topfschlagen glücklich Gummibärchen gewannen und nach zwei Stunden glücklich und erledigt von ihren Müttern wieder abgeholt wurden…

Die Zeiten sind vorbei, fürchte ich. Mit neun Jahren wollte das Monsterchen keine Schatzsuche und auch keinen Geburtstagskuchen – er wollte in den Indoor-Spielplatz. Nun gut, dachte ich – dort kann man ja auch ein Motto zelebrieren. Also los, die Zaubererschule gebucht, die Einladungen in kleine Faschings-Zylinder geklebt, und ein paar Seiltricks einstudiert, um die Kids in einer Ruhephasen etwas grübeln zu lassen. Für jedes Kind einen eigenen kleinen Zaubertrick vorbereitet und natürlich den Zauberstab und los konnte es gehen.

Das Monsterchen war schon morgens ganz aufgeregt, aber am Vormittag stand noch ein Fußball-Punktspiel auf dem Programm. Monsterchens Papa, gleichzeitig Trainer der F-Jugend-Mannschaft war nach dem Spiel heiser, das Monsterchen hatte ein Tor geschossen und die Mannschaft gewonnen – der Tag war gut gestartet. Das Mittagessen fiel knapp aus, das Monsterchen war platt. Da musste die Mama alle Überredungskünste aufbieten, dass er nicht die letzten zwei Stunden, wie ein Tiger vor dem Fenstern auf und ab lief , um zu warten, wann seine Gäste kommen.

Die erschienen pünktlich und gut gelaunt. Fast alle hatten die erbetenen Kindersitze dabei, aber nur die Hälfte die Extra-Socken für den Indoor – Spielplatz – gut, wir hatten vorgesorgt. Ich hab sicherheitshalber alle geeigneten Socken des Monsterchens eingepackt. Die Kinder wurden verteilt auf zwei Autos und los gings… OK, die Stunde Fahrt war ganz schön lang, aber im Spieleparadies angekommen, strahlten die großen, so erwachsenen Jungs um die Wette. Zuerst bekamen wir einen Einweisung: Die Bälle bleiben im Bällchenbad, die Rutschen gehts nur runter, nicht herauf und es wird nur einzeln auf dem Trampolin gesprungen. Dann durften alle erst mal das Gelände erkunden. Hmmm – suchen musste ich die Jungs nicht. Direkt neben dem Raum der Zauberschule standen die Daddelkisten (Playstation und Co) – wo sich einige Gäste auch gleich festsetzten. Gerade unserem mediensüchtiges Monsterchen passte das gar nicht – er wollte Fange und Verstecken spielen – also gab es schon mal den ersten Bock, den es zu schlichten galt, aber nach einer Weile hatten sich die Jungs gefunden und spielten fröhlich mit den diversen Gefährten, die man dort hatte – nur zwei hartgesottene blieben an den Daddelkisten kleben.

Zwischendurch fiel mein Blick in die anderen Geburtstagsräume. Im Feenland bastelten acht kleine  blonde Engelchen Feenflügel mit Glitzerstaub. Die Mädchen trugen alle pinkfarbene Shirts mit Einhörnern drauf – ich kam mir schon richtig schäbig vor mit meinen einfachen Zaubertricks. Im Rittersaal wurde nicht etwa gekämpft oder mit den Händen gespeist, nein die braven Rittersleute saßen mit Flipchart und Moderationswand uns rätselten lustig ein Quiz rund um das Mittelalter – hier wurde also auch noch was gelernt. Und bei uns???

Unsere Jungs schossen durch die Räumlichkeiten, wie eine V1 – sie schwitzten, stöhnten, lachten und waren glücklich. Natürlich flogen immer Bälle aus dem Bällchen-Bad und ich ermahnte die Jungs, sie nicht umher zu werfen. Aber es kam nach einer halben Stunde, wie es kommen musste, eine etwa 1,50 m große Amazone führte die Jungentruppe nach einer halben Stunde in die Zauberschule und sprach eine Abmahnung aus, da die Jungs trotz Belehrung im Bällebad eine Schlacht veranstaltet hatten und dabei leider keine Rücksicht auf die kleineren Kinder, deren Eltern und auch nicht auf das zarte Stimmchen der Amazone genommen hatten. Da gab es 5 Minuten eine Strafpredigt – lange Gesichter und gleich mal das Abendessen.

Nun beim Abendessen präsentierte ich die mühsam einstudierten Zaubertricks – hmmm, die meisten wurden sofort entlarvt, denn alle Jungs hatten schon mal gezaubert – Check das nächste Mal so wichtige Infos vorher abfragen. Lauthals erklärten sie mir, was ich denn nicht so richtig gemacht habe. Und einige zeigten mir dann, wie es richtig geht. Den einen Trick, den die Klugscheißer nicht kannten, habe ich dann auch nicht verraten – ich hab ja auch meinen Stolz…

Ahmed schmeißt Stühle – Integration auf dem Land

Problematische Kinder mit Migrationshindergrund?? Gibts doch bei uns in der Provinz nicht. Das ist ein Thema in Berlin Kreuzberg oder Stuttgart, aber doch nicht bei uns im beschaulichen Süden Brandenburgs. Wenn man hier einen offensichtlich nicht deutschen Menschen trifft, ist das in der Regel der vietnamesische Gemüsehändler oder der Dönermann um die Ecke. Integration ist wahrscheinlich deshalb auch kein Thema worüber man nachdenkt.

Das Monsterchen aber beschwert sich zunehmend über immer schlimmer werdende Zustände auf dem Schulhof. Zuerst ging es um das Ausmaß der Gewalt, denn Ahmed nahm auch schon mal einen Stuhl zur Hilfe, um sich Gehör zu verschaffen. Dann ging es um kulturelle Konflikte, denn immer häufiger ist die Beleidigung von Bazars Vater der Auslöser für Gewalt und schließlich sagte das Monsterchen, dass er sich gefreut hätte, dass Abdul nicht zu Pause konnte, weil er Bauchschmerzen hatte. Das hat mich hellhörig gemacht.

Mit etwas Fingerspitzengefühl und dem hoffentlich korrekten Bewerten der Situation scheint die Gruppe von Kindern, die nicht Deutsch als ihre Muttersprache verwenden, ziemlich verzweifelt zu sein. Sie ballen sich auf dem Schulhof immer zusammen (ca. 5-6 Kids), sie beanspruchen einen Teil des Schulhofes als „ihr Land, ihr Gebiet“ und verteidigen das mit allen Mitteln. Auf diesem Gebiet wird nicht deutsch gesprochen und wenn dann fallen nur Schimpfworte. Natürlich provoziert das die „deutschen Schüler“ es gibt Streit, es wird geprügelt und so langsam sind sich alle deutschen Schüler einig: „Die Ausländer sind doof, mit denen kann man nicht spielen, die prügeln sich nur!“

Die Lehrer/Aufsichtspersonen sind irgendwie nie da, obwohl es immer die gleichen Jungs sind und immer auch die gleiche Ecke im Schulhof. Die Kinder sind nicht im sonderpädagogischen Dunstkreis, obwohl ihr Deutsch dermaßen schlecht ist, dass das Monster in der Regel nicht versteht, was sie sagen. Sie sind im normalen Regelunterricht, dem sie schlecht folgen können. Es gibt keinerlei Integrationsmaßnahmen an der Schule, die die Kinder vielleicht auch damit konfrontieren, was diese syrischen Jungs kulturell bislang erlebt haben – daheim in Aleppo, auf der Flucht , in den Booten auf dem Mittelmeer oder in den Flüchtlngsunterkünften in Deutschland.

Das Monster versteht nicht, warum sie eine Syriergang bilden, warum sie sich zusammentun mit Kindern, die nicht anders sind, die die gleiche Sprache sprechen, die gleiche Kultur leben und das gleiche erlebt haben. Das Monsterchen versteht nicht, warum es so dramatisch für Bazar ist, wenn sein Vater beleidigt wird. Er versteht nicht, warum Ahmed die Worte ausgehen, warum er sich nicht streiten kann und deshalb der Stuhl durch den Raum fliegt, und er kann nicht verstehen, was diese Kinder für Erfahrungen gemacht haben, warum sie „ihr Gebiet“ auf dem Schulhof so agressiv verteidigen. Kann er ja auch nicht, denn das Monsterchen ist 9.

Aber sollte die Schule nicht in der Lage sein, dies auch mit zu vermitteln? Sollte es nicht Angebote für die Jungs geben, schnell Deutsch zu lernen? Sollte nicht die Fußball AG, die Jungs auffordern mitzumachen, damit sie ankommen in unserer Gesellschaft? Sollten nicht die Lehrer einen Blick auf das Schulhofaleppo werfen, wenn doch bekannt ist, was für Konfliktpotenzial hier drin steckt?

Ich höre von den Lehrern immer wieder „Lasst die Ausländer in Ruhe!“ „Haltet euch fern!“ einen Hortnerin gestern sprach von „unseren Kindern“ im Gegensatz zu den „Ausländern“ – ich bin mit einem Kloß im Hals nach Hause gegangen. Es ist eine Provinzschule – hier gibt es keine schwerwiegenden Probleme, nur ein paar Kinder, die Aleppo hinter sich gelassen haben und nun versuchen, mit einem völlig fremden Leben zurecht zu kommen. Aber wenn nicht mal das pädagogische Personal das nötige Feingefühl beweist, wie sollen unsere Kinder das dann lernen?

Ich weiß, dass das Elterngespräch in diesem Jahr etwas länger werden wird…

 

Ferdinand, am Ende wird alles gut!

Ferdinand ist unser Auto. Nein ich gehöre eigentlich nicht zu den Frauen, die ihren Autos Namen geben, Blümchen aufs Amaturenbrett kleben und das Auto föhnen und frisieren. Ferdinand muss uns von A nach B bringen. Er muss zuverlässig sein und schnell und an sich ist er eben nur ein Auto. Aber Ferdinand war was besonderes. Ich wollte keinen Skoda, ich hatte damals Aversionen gegen Ost-Autos und überhaupt boten die Japaner für meinen Geschmack einfach mehr Ausstattung fürs Geld. Aber dann kam er, mein Oktavia Kombi mit allem, was ich wollte. Sitzheizung, beheizbare Außenspiegel, Navi, einem schönen Innenraum, der nicht klappert und wackelt – ein rundum tolles Auto. Und das sage ich auch nach 8 Jahren noch – ein rundum schönes Auto, aber ein bescheidener um nicht zu sagen verflucht beschissener Motor.

Ferdinand verlor Öl. So nach 2 Jahren ging das los. Wir konnten nicht herausbekommen, wo das Öl blieb, es verschwand einfach. Zuerst 1 l auf 5-8 Tsd. Kilometern, dann wurden die Abstände kürzer. Wir fuhren in die Vertragswerkstatt. „Alles normal!“ sagte man uns da. Wir fuhren in die freie Werkstatt – dort drückte man ab, prüfte, wechselte Dichtungen und Kappen – aber das Öl verdanmpfte weiterhin einfach so. Wir schütteten fleissig nach und fragten die Werkstätten immer wieder nach Folgeschäden. Aber man versicherte uns – das wäre normal, wenn man nur Öl nachfüllen würde, wäre alles gut.

Nach 5 Jahren brauchte das Auto schon 1 l auf nicht mal 600 km. Wieder befragten wir mehrere Werkstätten. Eine riet zum Austauschmotor – da hatte das Auto nicht mal 100.000 auf der Uhr. Man erklärte uns anders würden wir den Ölverbrauch nicht normalisieren, das wäre ein bekannter Fehler der Motor-Baureihe. Ich googelt mal ein wenig und tatsächlich scheinen die Ölprobleme bei den Oktiavia der 2. Generetion hausgemacht zu sein. Es gab Beiträge in der Fachpresse und zahlreiche Forenbeiträge, die sich alle mit dem Problem beschäftigten. Keiner riet jedoch, den Motor zu tauschen. Geld hatten wir eh nicht, also gossen wir weiter Öl nach.

Dann passierte es mitten auf der Autobahn ging Ferdinand die Luft aus. Wir waren gerade auf dem Weg zu einer Spielemesse, schleppten uns grad noch zum Parkplatz und dann erstarb der Motor. Zwei maulende Kids auf der Rückbank, und 3 Stunden auf einem bitterböse kalten Parkplatz auf der Autobahn – das war nicht gerade meine Vorstellung von einem schönen Sonntag-Nachmittag. Gott sei dank haben wir artig unsere ADAC-Mitgliedsbeiträge gezahlt, der Pannenhelfer schaute nach den Kerzen und zeigte mir meine kaum noch vorhandenen verschmachten Kerzenstummel. Leider lies sich Ferdinand auch mit neuen Kerzen nicht überreden, die Kolben waren auch hin. Nun nam sich der Mann mal die Zeit und erklärte mir die Funktionsweise eines Motors (wahrscheinlich hätte ich es wissen müssen). Aber nun wusste ich, dass es natürlich nicht gesund war, dass der Motor das Öl im Motor verbrannt hat, anstatt die Kolben damit zu schmieren. Logisch – dafür sind die Bauteile nicht gedacht – der musste irgendwann verrecken. Klingt klar und logisch, aber warum erklärt mir die Werkstatt das nicht??

Schaden neben dem verdorbenen Wochenende – ein kapitaler Motorschaden. Nun wir brauchen das Auto auf dem Land geht nix ohne also musste ein neuer Motor her, Bei 140.000 km Laufleistung zeigte sich weder Werkstatt noch Skoda selbst einsichtig (das Auto ist zu alt!). Wir suchten einen gebrauchten Motor – so lange wollten wir das Auto dann auch nicht mehr fahren, aber die Werkstatt riet ab – bei einem gebrauchten Motor können das gleiche Problem wieder auftreten, wir sollten lieber einen aufgearbeiteten von Skoda nehmen, die sind geprüft und mit Garantie und haben das Problem nicht mehr – also gut, wir haben die Zähne zusammengebissen und 6000,00 € gezahlt für einen neuen Motor der direkt von Skoda kam.

Verarmt aber glücklich fuhr ich damit ins neue Jahr. Ferdinand lief wieder wie am Schnürchen. Die Kupplung rührte sich auch nicht, obwohl die Werkstatt die ja eigentlich auch gleich tauschen wollte, wenn man den Motor einmal draussen hat… Aber es schien alles gut zu sein. Wir ärgerten uns zwar, dass man uns vorher immer gesagt hätte, es gäbe keine Folgeschäden und nach dem Schaden, dann ja das hätten sie wissen müssen, aber wir waren froh, dass unser rundum tolles Auto nun wieder zuverlässig lief.

6000 km lang, 6000 glückliche Landstraßenkilometer – das sind für uns ganze 3 Monate und dann kam die Ölkontrollleuchte erneut – ich weinte, fluchte und drohte meinem Mann, einen Anwalt zu nehmen. Er sagte nur, wir wollten doch erst mal warten was die Werkstatt sagt, ist ja n Garantiefall – was sagt der Werkstattmeister??? „So ein Ölverbrauch ist bei Skoda normal, wenn sie nur fleissig weiter Öl nachfüllen kann gar nichts passieren!“

Am Ende wird alles gut, und wenn es nicht gut wird, dann ist es nicht das Ende!

Ein Drama in 3 Akten

„Mama, ich hab Ohrenschmerzen!“ Dieser Satz aus dem morgendlichen Dunkel des Kinderzimmers hat eine ähnliche Wirkung auf mich, wie die gruselige Musik aus der Duschszene von Psycho oder wie die Vermutung man habe seine Geldbörse beim Tanken auf dem Autodach liegen lassen. Ein Stich bohrt sich in die Magengrube gefolgt von einem Gedankenkarussel, das sich in Lichtgeschwindigkeit der Fliehkraft hingibt. Wie komme ich zum Kinderarzt? Welche Termine sind abzusagen, welche sind zu verlegen? Wer muss Bescheid wissen? Meld ich mich im Büro für den ganzen Tag ab oder bitte ich um Home-Office? Sind offene Punkte, die dringend an Kollegen übergeben werden müssen? Kann ich die Schmerzen irgendwie lindern? Wie fahre ich mich runter, damit sich meine Panik nicht auf den Patenten überträgt?

Gut also erst mal ansehen, geschwollen ist nix, rot auch nicht. Fieber hat er auch keins – Appetit schon, denn nach dem 3. Nutellatoast fragt er auch noch nach frischen Obst. Die vorbildliche Mutter schnitzt Apfelstücken, kocht Tee und nebenher erfragt sie, was denn nur die Ursache für die plötzliche Entzündung des Ohres sein könne. Schule wird abgesagt – beim Arzt angemeldet und im Büro die wichtigsten Vorgänge übergeben. Erst mal einen halben Tag Überstunden nehmen und dann sehen wir weiter. Dem Himmel sei dank habe ich einen flexiblen Chef, der zwar nicht erfreut ist, aber sich auch drauf verlassen kann, dass ich zur Not am Abend erledige, was unbedingt nötig ist.

Die Nutellaspuren im Gesicht verwischen und vergeblich versuchen, die Haarrosette am Hinterkopf zu vernichten – sich selbst mit Make-up und Föhn halbwegs gesellschaftstauglich zu pimpen und dann rein ins Auto. Ach ja noch drei Mal zurück ins Haus, weil Krankenkassenkarte, Nintendo DS und Teeflasche wollen ja auch mit auf die 35-km-Reise. Beim Kinderarzt erst mal die übliche Wiege- und Messprozedur, gefolgt von dem gut bekannten: „Mein Gott ist der dünn!“. Kann man sich bei der vollschlanken Mutter wahrscheinlich nicht vorstellen, so ein dünnes Kind. Vermutlich ist der Junge adoptiert oder schlimmer noch, die Mutter vertilgt heimlich das Schulbrot und das Abendessen gleich mit. Der Blick der Schwester suggeriert eine solche Vermutung. Wenn sie nur wüsste, wie dicht sie damit dran ist – denn gestern Abend bestand mein Abendessen aus dem Hasenbrot und den braunen Apfelschnitzen der Brotdose und das von mir angebotene Abendessen war auch nicht genehm – wie kann man auch erwarten, dass das Kind eine Scheibe Mischbrot mit Wurst oder Käse isst.

Die Ärztin charmant und kurz angebunden wie immer fragt ab, was sie wissen muss. Schaut in die Ohren und macht die Krankenscheine gleich mal für 14 Tage fertig. Schulbefreiung, Schwimmbefreiung, Sportbefreiung, Mitteilung für den Arbeitgeber – der Papierstapel in meiner Hand wächst so langsam auf das Niveau der Strafakte eines Serienkillers und daneben hör ich was von Rotlicht und HNO und da ist irgendwas drin im Ohr… Plötzlich die Eingebung meines Kindes: „Ach ja, ich hab ja gestern Sand ins Ohr bekommen, als die Jungs auf dem Schulhof sich geprügelt haben!“ Na super – das hätte er auch vorm Zwiebelwickel und Rotlichtgedöns sagen können. Wir sollen einen HNO-Termin machen, HNO-Termin  in der Provinz… guter Witz! Nun die Ärztin sieht das ein und schreibt eine Dringlichkeitsüberweisung. Direkt vor der Kinderarztpraxis den HNO anrufen – Tja, schwierig, die Sprechstundenhilfe rät, das Kind gut einzupacken und sich um 14:15 vor die Praxis zu stellen. „Da steht dann schon ne Schlange!“ Um 15:00 Uhr würde der Doktor schon mal beginnen, und wir sollten Zeit mitbringen.  Der zweite HNO in der 40 km entfernten Nachbarstadt geht gar erst ans Telefon, obgleich die Ansage des Anrufbeantworters suggeriert, er hätte gerade Sprechstunde. Nun gut, also doch der Ausflug in die Schlange vor der Praxis.

Die war dann auch nicht so lang, wie erwartet, nach 30 Minuten waren wir angemeldet, nach weiteren 90 Minuten dann beim Arzt. In der Zwischenzeit war das Monsterchen sehr friedlich und tapfer, was wahrscheinlich auch darin begründet war, dass diverse coole legendäre Pokémons auf seinem Nintendo  auftauchten und er Arenakämpfe voll speed für sich entschied. Alter! Das war nice! Der HNO wirkt auf mich immer ein ganz klein wenig albern mit seinem Spiegel vorm Gesicht – er lugt durch die Öffnung zu mir und sagt – Ja, da ist was drin, ein Steinchen würd ich sagen. Sicherheitshalber schaut er noch mal genauer hin mit einem Vergrößerungsgerät – der tapfere Neunjährige wird auf dem Behandlungsstuhl immer kleiner. Der Arzt zückt eine laaaange Nadel und beginnt in dem Gehörgang herumzufummeln. Der große tapfere Tiger wimmert erst, schreit „Au!“ und nach weiteren 20 Sekunden ruft er so herzzerreißend um Hilfe, dass mein Mutterherz den Verstand ausschaltet. Ich frage ob es nicht möglich wäre, das unter Narkose zu entfernen, aber der Arzt ist hart im Nehmen und reagiert gar nicht auf mich, sondern stochert weiter in dem schreienden Kinderkopf umher. Allerdings eins muss man ihm lassen, er ist erfolgreich und holt einen ziemlich großen und vor allem scharfkantigen Stein heraus. Das Monsterchen weint weiter, er jammert zwar leiser, aber nun entlädt sich die Wut auf den Arzt, den Stein und vor allem auf mich. Ich kann grad noch erfragen ob er jetzt wieder schulfähig ist, dann stürmt das Kind ohne Jacke und sogar ohne sein Nintendo hinaus auf die Straße: „Hier geh ich nie wieder her!“

Nun nach einer Stunde waren die Tränen getrocknet, das Belohnungseis schmeckte und er präsentierte ganz stolz den Mega-Felsbrocken, der da an seinem Trommelfell steckte und beinahe zur völligen Taubheit geführt hätte, wenn er nicht diese schwerwiegende Operation hätte über sich ergehen lassen – so ganz ohne Narkose.

Wie war das, der Indianer kennt keinen Schmerz??? Nun dann hatten Indianer wohl niemals Sand im Ohr…

Hallo Welt!

Hallo Welt! Welch ein einladender Titel hier prangt… Also von mir ist der nicht, von mir wäre eher so etwas gekommen wie… „Endschuldigung!“ oder „Öhhmmm“. Ich versuch nämlich grade mich irgendwie einzufuchsen. Also Blogger bzw. Bloggerin werde ich sicher nicht, dazu fehlt mir das technische Verständnis, wie man gute Inhalte auch ansprechend präsentiert. Ich als Ästhet werde sicher das ein oder andere Mal an meinen Möglichkeiten verzweifeln und ganz sicher werden das Leser auch tun, wenn sie erkennen, dass ich ein Tastaturlegastheniker bin. Aber vielleicht hilft das Schreiben. Mir, weil ich meine Gedanken ordnen kann und mich selbst reflektieren und den Lesern, weil sie vielleicht doch einmal schmunzeln, ein Tranchen verdrücken oder mit einem dümmlichen breiten Grinsen vor dem Bildschirm sitzen. Wenn ich das schaffe, habe ich 100 % des Ziels erreicht.

Worum es hier gehen soll, weiß ich selber noch nicht. Es dreht sich um meinen Alltag vermutlich, um kleine und große Katastrophen, um große Literatur und Schundromane, um gute Musik und das was andere dafür halten, um die Weltpolitik und ihre Auswirkungen auf meinen gesunden Nachtschlaf um Helikoptermütter und Eislaufväter, männliche Zicken im Beruf und privat und überhaupt über alles, was mich beschäftigt. Wer das lesen mag ist herzlich willkommen, wer nicht, der ist mir schlicht wurscht. In diesem Sinne viel Freude hier und tatsächlich „Hallo Welt!“